Was wir lesen? Ein Gastbeitrag von Janne Joonsen

„Wer Strafe verdient“ von Elizabeth George

Der aktuellste Lynley-Roman von Elisabeth George heißt „Wer Strafe verdient“. In vielen hundert Seiten des über 800 Seiten starken Buches geht es allein um einen einzigen Todesfall. Der Diakon von Ludlow kommt in Gewahrsam ums Leben. Doch war es wirklich ein Selbstmord? Im Rahmen einer Untersuchung versuchen zunächst Barabara Havers und Chefin Ardery den Gegebenheiten auf den Grund zu gehen. Nach 300 Seiten allerdings liegt als Ergebnis nur ein zurechtgestutzter Polizeibericht vor. Und fortan ist es doch das Dreamteam Lynley und Havers, welches erneut in das Städtchen Ludlow reist und mit einer Galgenfrist von 10 Tagen die wahren Umstände aufdecken soll.

Das Buch ist nicht mein erster Inspector-Lynley-Roman. Immer noch allerdings stellen diese Krimis ein Mysterium für mich dar. Elisabeth George verfolgt einen Stil, der geradezu provoziert zu behaupten, dass auf vielen hundert Seiten eigentlich gar nichts passiert. Krimifans, die mit den Schweden-Krimis eher auf der dunklen Seite der Literaturwelt stehen, würden wahrscheinlich unbesehen zustimmen. Dennoch allerdings erklärt das weder die treue Leser*innenschaft noch die hohen Auflagenzahlen.

Warum also sind die Lynley-Havers-Krimis empfehlenswert? Weil ihre Romane unterhalten, ohne Präsenz zu fordern, die in vielen Lebenssituationen einfach nicht übrig ist; weil die erzählten menschlichen, sozialen, gesellschaftlichen Herausforderungen nicht drängend sind, sondern gleichmäßig verworben im Geflecht aus Handlung, Situation und Landschaft; weil die entstehenden Bilder durch feine Spannungsbeziehungen in sich selbst in die Romanwelt einladen, es aber nicht einfordern; und sei es durch einen Lord Lynley, der ein Hotelzimmer in Schuhschachtelgröße bewohnt, eine zugemüllte Studenten-WG betritt oder seine Luxuskarosse außerhalb parkt, um die eine Million Pfund teure Lackierung zu schützen.

„Wer Strafe verdient“ hat es geschafft, ein fremdes Zimmer und ein unpersönliches Hotelbett in einer fremden Großstadt attraktiv werden zu lassen. Das ist ein wahrer Wert.

Text von Janne Jonnsen

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Inhaltsangabe

Widerwillig folgt Prof. Greg Green einem Anruf von der Aussteigerin Jenna aus der Grafschaft Norfolk und reist, eigentlich im wissenschaftlichen Auftrag, von London in den Ort Tathitus Log. Er ist noch nicht einmal am Bestimmungsort eingetroffen, als er von einem Vorfall erfährt, der für den beschaulichen Ort ungewöhnlich erscheint: mitten zwischen Wohnhäusern, Lebensmittel- und Blumenladen kommt nur ein Tag vor seiner Ankunft eine Frau durch einen tödlichen Schuss ums Leben. Die polizeilichen Ermittlungen gründen auf einer Unfalltheorie. Von Jenna erfährt Greg jedoch, dass es Ungereimtheiten gibt. Er richtet sich bei ihr im ehemaligen Kloster des Ortes ein und gemeinsam folgen sie der Fährte aus Hinweisen. Doch je tiefer sie in den Fall eindringen, umso mehr scheinen sie sich nicht nur von der Lösung, sondern auch von der Gegenwart zu entfernen. Das Gestern vermischt sich mit dem Heute und hinterlässt teuflische Spuren…

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