Was wir lesen? Dieses Mal ein Magazin.

In diesem „Was wir lesen“-Beitrag geht es das erste Mal nicht um ein Buch, sondern um ein Magazin. Das Magazin heißt „Literarische Diverse“ und wird zwei Mal im Jahr herausgegeben; in dieser aktuellen Ausgabe geht es um das große Thema „Sprache“ (Ausgabe ZWEI, Juli 2020, https://www.literarischediverse.de/shop/zwei/).

Das Magazin ist in mehr als einer Hinsicht innovativ: Das Magazin ist explizit anti-rassistisch, und bemüht insbesondere People of Colour und Menschen aus der LGBTQIA+-Community zu Wort kommen zu lassen. Beiträge einschicken kann grundsätzlich jede*r – egal ob Essay, Kommentar, Gedicht, Foto, Bild oder Illustration. Das Magazin erschien das erste Mal im Dezember 2019, mit der ersten Ausgabe „Engagement“ (diese Ausgabe ist inzwischen leider ausverkauft). In der dritten Ausgabe wird es um das Thema „Widerstand“ gehen – darauf freue ich mich schon, denn obwohl mich in erster Linie das Thema der zweiten Ausgabe zum Kauf bewegt hat (Sprache – eines meiner Lieblingsthemen, sprach die Germanistikstudentin), hat mich das Konzept ziemlich überzeugt.

Die Herausgeberin Yasemin Altinay (Verlagskauffrau, BA Geschichte und Kultur des Vorderen Orients, MA-Studentin der Angewandten Literaturwissenschaft in Berlin) beschreibt ihr Magazin so:

„Literarische Diverse ist ein Magazin für junge, vielfältige Literatur. Es geht um Austausch, Empowerment und gegenseitiges Unterstützen jener Menschen, die sich für eine diverse Gesellschaft ohne Vorurteile einsetzen. Wir stehen mit dem Magazin für eine diskriminierungsfreie, empathische, feministische, intersektionale, solidarische und tolerante Gesellschaft ein, in der Diversität als Norm Alltag ist.“

Worum geht es?

Da jede Ausgabe ein anderes Hauptthema hat, und sich auch die Autor*innen stark abwechseln, ist das Magazin sehr frei in seiner Gestaltung und Fokussierung von Beiträgen. Jedes Magazin startet mit dem Inhaltsverzeichnis und einem Editorial der Herausgeberin, Yasemin Altinay, und endet mit ein wenig Werbung – nicht aufdringlich und natürlich einfach notwendig, um so ein Heft auf die Beine zu stellen – und natürlich dem Impressum. Dazwischen: Content, content, content – Inhalte zuhauf. Das Magazin zu lesen macht Laune, eben weil die Auswahl so vielfältig und überraschend ist, und immer auch persönlich und nah. In dem Interview mit Aminata Touré und Olaide Frank ging es um Antirassismus und Politik, um rassistische Polizeigewalt und natürlich auch um diskriminierende Sprache. Besonders beeindruckt haben mich auch die Gedichte der verschiedenen Autor*innen, da mir Lyrik persönlich immer besonders nahe geht – z.B. das Prosagedicht „Wem hörst Du zu“ von Josephine Papke.

Würde ich das Magazin weiterempfehlen?

Auf jeden Fall! Die altehrwürdigen Magazine wie der Spiegel haben zurecht ihren Platz in der Welt – sie sind definitiv informativ, auch spannend, und natürlich nicht unfehlbar. In „Literarische Diverse“ geht es, genauso wie beim Spiegel oder ähnlichen Publikationen, auch um das aktuelle Geschehen in der Welt, aber eben weniger um konkrete Nachrichtenbeiträge, sondern viel mehr um die Perspektive und die Emotionen, Gedanken, Erfahrungen von Menschen, die diese Geschehnisse erleben bzw. erlebt haben. Es geht weniger um harte Fakten (wann hat wo was stattgefunden und warum ist das relevant), sondern vielmehr um eine persönliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen, die gesellschaftlich relevant sind. Und da das Magazin ganz explizit People of Colour und Menschen aus der LGBTQIA+-Community zu Wort kommen lässt, hat man die Möglichkeit, vielfältige Erfahrungen und Perspektiven zu lesen bzw. kennenzulernen – dies gewährleistet auch, dass Literatur in all seinen Formen zugänglicher wird, und auch klassenloser.

Das dritte Magazin wird im Dezember 2020 erscheinen. Hier gehts zur Website: https://www.literarischediverse.de/konzept/

Interviews mit der Herausgeberin Yasemin Altinay: https://www.literarischediverse.de/presse/

Yasemin Altinays Bookstagram: https://www.instagram.com/yasemin_liest/

Text von Anna Lemke

Menü