Interview mit Hermann Multhaupt

Autor des theologischen Kriminalromans: “Maria 2.0 und der Reliquienraub”

Das Interview wurde im Dezember 2020 in digitaler Form gehalten.

EireVerlag: Lieber Herr Multhaupt, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen! Wie geht es Ihnen, wo verbringen Sie momentan Ihre Zeit?

Hermann Multhaupt: Es geht mir gut. Derzeit helfen meine Frau und ich einer jungen Iranerin aus Teheran bei der Einrichtung ihrer ersten Wohnung, nachdem sie zwei Jahre in einer Notunterkunft für Geflüchtete gewohnt hat.

EireVerlag: Ihr Name dürfte den Leserinnen und Lesern des EireVerlags wohlbekannt sein, schließlich haben Sie schon einige Bücher bei uns veröffentlicht. Können Sie neuen Leserinnen und Lesern ein wenig über sich erzählen?

Hermann Multhaupt: Da gibt es nicht viel. Eine glückliche Kindheit trotz Krieg, eine schwere Jugend nach dem frühen Tod meiner Mutter. Die übliche Schulzeit, journalistische Ausbildung und Tätigkeit an verschiedenen Orte in Süddeutschland. Ein ruhiger Hafen in der eigenen Familie.

EireVerlag: Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Was passiert in Ihrem neuen Kriminalroman „Maria 2.0 und der Reliquienraub“?

Hermann Multhaupt:  Es geht um den Diebstahl der Liborius-Reliquien aus dem Paderborner Dom, und damit wird „Libori“ in Frage gestellt. Statt erwartete Geldforderungen treffen Briefe ein, die die Paderborner Kirchenleitung zu Veränderungen auffordern, die zögernd befolgt, von der Bischofskonferenz und Rom mit Argusaugen beobachtet, aber von der Öffentlichkeit begrüßt werden. Am Ende findet die „Libori-Woche“ unter veränderten Vorzeichen statt.

EireVerlag: Sie waren für viele Jahre Chefredakteur der Zeitung „Der Dom“ in Paderborn. Welche Themen waren Ihnen besonders wichtig als Chefredakteur und inwieweit hat Ihre Position die Handlung in ihrem neuen Roman inspiriert?

Hermann Multhaupt:

Es ging ja in erster Linie darum, das Leben in der Welt- und Ortskirche darzustellen. Insofern waren die Themen vorgegeben. Aus den Erfahrungen heraus lag es nahe, den Stoff für den Roman im kirchlichen Bereich zu suchen.

EireVerlag: Was verbinden Sie mit dem Schreiben? Wie sehen sie sich selbst; in erster Linie als Schriftsteller, als Journalist, als Redakteur?

Hermann Multhaupt: Früher als Journalist und Redakteur, später immer mehr als Schriftsteller, weil das Spektrum des Schreibens mir überlassen bleibt.

EireVerlag: Sie haben schon Romane, Gedichte, Segenswünsche und Tagebücher veröffentlicht. Was gefällt Ihnen an den unterschiedlichen Genres, und was lesen Sie privat gerne?

Hermann Multhaupt: Jedes Genre hatte seine Zeit, in der man sich ihm bevorzugt widmete. Heute sind es historische Themen oder Gestalten, die – auch gegen den Zeitgeist – ihre Überzeugung gelebt haben. Deshalb lese ich auch gern Geschichtsbücher.

EireVerlag: Wir fragen Autorinnen und Autoren gerne, mit welcher Figur oder Person sie gerne mal einen Tee trinken würden – wenn das möglich wäre. Wie sieht es bei Ihnen aus? Warum diese Figur?

Hermann Multhaupt: Sigrid Damm. Sie weckt historische Personen zum Leben. Goethe sitzt als Gast mit am Kaffeetisch und man sieht ihn schmunzeln.

EireVerlag: Religion, Tradition und Maria 2.0. – diese Themen regen zum Nachdenken an, gläubige und nichtgläubige Menschen. Ein Kriminalroman möchte natürlich unterhalten, aber das heißt ja nicht, dass er nicht auch zum Grübeln anstoßen kann. Was würden Sie Leserinnen und Lesern gerne mit auf den Weg geben?

Hermann Multhaupt: Kritisch gegenüber der Kirche zu sein, aber sie im Bewusstsein ihrer Jahrtausend alten Tradition nicht vorschnell zu verurteilen. Von vielen Menschen in der Christusnachfolge ging und geht ein heilsamer Segen für die Menschheit aus. Und zu den Fehlentscheidungen: Morgen wissen wir, was wir gestern anders hätten machen sollen.

EireVerlag: Wie haben Sie die Monate seit März dieses Jahres empfunden? Der Roman spielt vor der Pandemie, vielleicht auch danach – letztendlich wurde entschieden, dass die Figuren keinen Kontakt mit COVID19 haben. Welche Auswirkungen, wenn es denn welche gab, hatte die allgemeine Situation auf ihre Schreibgewohnheiten?

Hermann Multhaupt: COVID19 macht natürlich sehr nachdenklich und ängstlich. Aber Einschränkungen und Ausgangssperren kenne ich von der unmittelbaren Nachkriegszeit. Von daher haben sie meine Schreibgewohnheiten nicht beeinflusst. Wir haben einen Dämpfer bekommen, und der war auch nötig angesichts der Gier nach einem uneingeschränkten Wohl-Leben. Wen hat es bisher gekümmert, dass seit Jahren täglich etwa 15 000 Kinder Hungers sterben? Ohne Nachdenken tragen viele Menschen Hosen mit Löchern, weil sie „Mode“ sind und sie bedenken nicht, dass sie damit die Armut in der Welt verhöhnen.

EireVerlag: Gibt es etwas, was Ihnen in der Zeit der Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen besonders geholfen hat?

Hermann Multhaupt: Man kommt wieder mehr mit nachdenklichen Menschen ins Gespräch und das belebt gegenseitig.

EireVerlag: Welches Buch hat Sie dieses Jahr begeistert? Würden Sie es an unsere Leserschaft weiterempfehlen? Warum?

Hermnn Multhaupt: Angesichts der vielen Berichte über den Missbrauch in der Kirche habe ich „Die Kraft und die Herrlichkeit“ von Graham Greene wieder gelesen. Ein großartiger, auch stilistisch gelungener Roman über einen von einem kirchenfeindlichen Regime gesuchter Schnapspriester, der ein behindertes Kind gezeugt hat (übrigens großartig mit Horst Tappert in der Verfilmung), aber am Ende auf seine Rettung verzichtet und einem Sterbenden beisteht und damit wissentlich in den Tod geht. – Ich möchte mich hüten vor Vorverurteilungen.

EireVerlag: Arbeiten Sie schon einem nächsten Projekt, wenn ja, können Sie uns schon etwas darüber verraten?

Hermann Multhaupt: Fertig ist eine Erzählung über die Auflösung der Klöster Böddeken und Dalheim am Anfang der Säkularisation durch den preußischen Staat. Dadurch verlieren viele Angestellte, das „Gesinde“, die  Beschäftigung. Der preußische Staat, nur an den Immobilien interessiert, unterschätzt den Wert der Kunstgegenstände. Bibliotheken werden verschleudert oder vergammeln, die schönen ausgemalten Kreuzgänge in den neuen Domänen zu Schweineställen, die ich in Dalheim so noch gesehen habe. Hier geht es mir in erster Linie um die Menschen: Was wird aus ihnen, die jetzt auf der Straße stehen, und den Mönchen, die in die Städte ziehen und keine Unterkunft finden?

Vielen Dank für Ihre Zeit, und viel Erfolg beim Schreiben!

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ISBN 9783943380969

Fragen von Anna Lemke

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