Interview mit Karen Kliewe, Grafikdesignerin, Fotografin, Illustratorin und Autorin

EireVerlag: Liebe Frau Kliewe, der EireVerlag hat Sie schon für einige Projekte engagiert – hinter den Kulissen sozusagen. Können Sie uns ein bisschen über Ihre Arbeit als Grafikdesignerin für den Verlag erzählen?

Karen Kliewe: Aufgrund dieses Interviews habe ich nachgeschaut: 2012 war das erste gemeinsame Projekt. Von da an durfte ich in regelmäßigen Abständen tätig werden – zumeist im Bereich der Buchcover-Gestaltung. Das Interessante hierbei war und ist, dass die Projekte oft eng verknüpft sind mit ganz besonderen Schicksalen. Wie bei der Autorin von „Sigon – Abenteuer im Land der Drachen“, Anke Ostwald-Meier, die diese wunderbaren Geschichten für ihren kranken Sohn geschrieben hat.

EireVerlag: Sie arbeiten außerdem noch als Illustratorin und Fotografin – können Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen, und über ihre Motivation?

Karen Kliewe: Um sich den Beruf „Freischaffender Künstler“ auszusuchen, braucht man unendlich viel Mut. Ich ziehe meinen Hut vor all jenen, die den Werdegang gewagt haben. Ich liebe die bildende Kunst in vielerlei Form. So wählte ich den Kompromiss: den kommerziellen Bereich. Hier prostituiert man sich in gewisser Weise zwar, büßt viel von der so geliebten künstlerischen Freiheit ein, kann aber am Ende davon leben. Um den Mangel an Freiheiten zu kompensieren, musste es dann wohl die Vielseitigkeit sein.

EireVerlag: Thema Digitalisierung in den Geisteswissenschaften und verwandten Gebieten: Haben Sie eine Veränderung in Ihrem Beruf bemerkt? Wenn ja, in welchen Bereichen und in welchem Umfang. Wenn nein, glauben Sie, dass die Veränderungen noch kommen werden? Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung ein?

Karen Kliewe: Digitalisierung – ein zweischneidiges Schwert. Als Designerin, Fotografin und Illustratorin bekomme ich besonders die „Basics“ der Digitalisierung 4.0 zu spüren. Automatisierungsprozesse spielen (noch) keine große Rolle. Die technischen Voraussetzungen dafür aber sehr wohl. Ich habe Filme noch mit der Hand entwickelt, habe Stunden in Dunkelkammern zugebracht und Studiolampen hin- und hergeschoben, bis endlich der perfekte Schuss gelang. Die Digitalisierung brachte Kameras mit schier unendlichen Möglichkeiten, Bildbearbeitungsprogramme, die aus interessierten Laien Herrscher über die Pixel und das perfekte Bild machten. Ist der Informatiker, der Technik-Freak, also der bessere Designer/Fotograf? Nein – mit Sicherheit nicht.
Die Frage: „Wie komme ich an den nächsten Job, um die Kosten zu decken?“ zu beantworten, ist allerdings schwieriger geworden. Der Markt ist überflutet mit Amateuren, selbsternannten Profis und geschulter Konkurrenz. Und nicht jeder Kunde hat den ersehnten Anspruch auf Qualität. Ein harter Preiskampf ist die logische Folge.
Hinzu kommen die Punkte Datenschutz und das Recht am eigenen Bild. Nie war es so leicht, Urheberrechte zu verletzen – und nie so gefährlich, Fotos zu veröffentlichen.
Bringt Digitalisierung also nur Probleme? Nein, sie bringt auch viele Chancen. Berufe ändern sich, schauen über den eigenen Tellerrand hinaus. Das duale Studium, viele neue, berufsübergreifende Studiengänge verknüpfen Sparten miteinander. Geisteswissenschaftler eignen sich technische Fähigkeiten an oder arbeiten eng mit Technikern zusammen. Der Wandel findet statt – das tut er immer. Und er wird uns viel abverlangen, denn es wird verstärkt die Aufgabe der Geistes- und Sozialwissenschaftler sein, den Prozess in Bahnen zu leiten, die sicherstellen, dass die Digitalisierung der Gesellschaft mehr Nutzen denn Schaden bringt.

EireVerlag: Sie haben außerdem ihren ersten eigenen Kriminalroman dieses Jahr veröffentlicht: „Letzte Spur: Ostsee“. Konnten Sie sich schon immer vorstellen, Autorin zu werden, oder war das ein relativ neuer Wunsch?

Karen Kliewe: Ich habe schon als Kind Geschichten erfunden. Das berühmte Kopfkino ist mein ständiger Begleiter. Man könnte also denken: Das musste ja so kommen! Trotzdem bin ich überrascht, dass ich den Mut gefunden habe. Es ist nach wie vor ein seltsames Gefühl, so weit gegangen zu sein, denn ich empfinde eine tiefe Hochachtung gegenüber der Schriftstellerei und ihren Vertretern.

EireVerlag: Worum geht es in „Letzte Spur: Ostsee“? Ohne zu viel zu verraten: Sie schicken die Journalistin Johanna Arnold auf Spurensuche…

Karen Kliewe: … nach ihrer Doppelgängerin, die sie auf der Ausgabe einer zwölf Jahre alten Ostsee-Zeitung entdeckt. Da Johanna Einzelkind ist, ein unerklärlicher Umstand. Die Recherchen gestalten sich als schwierig. Die Spur führt letztlich bis nach Schweden. Was Johanna nicht ahnt: Ihre Nachforschungen setzen eine mörderische Kettenreaktion in Gang, kosten Unschuldige das Leben und bescheren der Journalistin die schlimmsten Stunden ihres jungen Lebens.

EireVerlag: Wie kamen Sie auf das Genre?

Karen Kliewe: Zum Reiz des Geschichtenerzählens kommt im Genre Kriminalroman/Thriller die Schwierigkeit des Spannungsaufbaus hinzu. Eine tolle Herausforderung.

EireVerlag: Sind Sie selbst begeisterte (Krimi-)Leserin?

Karen Kliewe: Ja! Ich verschlinge sie regelrecht. Zu dünn dürfen sie nicht sein. Das Vergnügen wäre von zu kurzer Dauer.

EireVerlag: Wenn Sie mit einer Figur aus Ihrem Buch eine Tasse Tee oder einen Kaffee (oder vielleicht ein gutes Bier?) trinken könnten, wen würden Sie sich aussuchen und warum?

Karen Kliewe: Den oder die Täter/in. Ich würde gern mehr über dieser Figur erfahren. Was/Wer hat sie geprägt? Wie sieht sie sich selbst? Was erwartet sie vom Leben?

EireVerlag: Dürfen wir uns auf eine Fortsetzung von „Letzte Spur: Ostsee“ freuen?

Karen Kliewe: Definitiv! Das Gefühl als Leser kennen wir alle: Wir sind fasziniert von einer Buchreihe, von einem Autor, einer Autorin und lechzen nach der nächsten Neuerscheinung. Witziger Weise musste ich feststellen, dass es mir als Autorin nicht anders ergeht. Ich will unbedingt wissen, wie es mit meinen Charakteren weitergeht, in welche Abenteuer ich sie noch schicken werde…

EireVerlag: Gibt es Schreib-Rituale, die Ihnen geholfen haben, Ihren Roman fertig zu schreiben? Können Sie unseren Leser*innen vielleicht ein paar Tipps geben, was Motivation und Prokrastination angeht?

Karen Kliewe: Rituale eigentlich nicht. Verhaltensweisen schon eher: Gedanken brauchen Zeit, um sich zu entwickeln, sich zu etwas Komplexem verknüpfen zu können. Grübeln hilft da wenig. Papier und Stift in Reichweite, das macht Sinn. Eine Nacht drüber schlafen auch. Oder etwas ganz anderes tun. Man kann nicht vierundzwanzig Stunden lang kreativ sein. Eine sehr liebe Freundin, ihres Zeichens selbst Designerin, beantwortete die erstaunte Frage, warum sie stundenweise in einer Heißmangel arbeite, mit: „Es verschafft meinem Gehirn die nötige Pause.“ Wenn wir das lieben was wir tun, lässt die Motivation nicht lange auf sich warten, und Prokrastination spielt keine Rolle.

EireVerlag: Und natürlich interessiert es uns, was Ihr momentanes Lieblingsbuch ist…

Karen Kliewe: Bei meinem letzten Lifestream blieb ich einem Leser diese Antwort schuldig, sehr zu meiner Schande! Vielleicht darf ich mit einer Lieblingsautorin antworten? Ich finde Fred Vargas und ihre Reihe um Kommissar Adamsberg ganz außergewöhnlich (Neuerscheinung in 2020: Der Zorn der Einsiedlerin). Ihre Art, besondere Charaktere und Stimmungen zu erzeugen, ebenso wie der Aufbau ihrer Geschichten: meisterhaft! Auch ganz wunderbar: die Erzählweise und -perspektiven des Drehbuch-Autoren-Ehepaares Cilla und Rolf Börjlind.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Vielen Dank für Ihr Interesse. Es hat mich sehr gefreut.

Hier können Sie mehr erfahren über die Autorin, ihr Buch und ihre Arbeit:

http://www.werbemenue.com/

https://www.piper.de/buecher/letzte-spur-ostsee-isbn-978-3-492-50349-5

https://www.facebook.com/karen.kliewe.79

https://www.instagram.com/karen_kliewe/?hl=de

Die Fragen stellte Anna Lemke.

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