Interview mit Sophia Wehle und Mareike Menne über ihr neues Buch “Reich werden für Kinder”

Das neue Buch von Sophia Wehle und Mareike Menne heißt “Reich werden für Kinder” und erscheint im Februar im EireVerlag. Hier stellen die Autorinnen Sophia, Johanna und Lisa ihr Werk vor, und erzählen von ihrem Bestreben, Millionärin werden zu wollen.

EireVerlag: Liebe Sophia und liebe Mareike, wie war es für euch, als Autorinnen-Team zusammenzuarbeiten?


Sophia:
Naja, es ist halt meine Mutter.

Johanna: Keine Ahnung.

Mareike: Es war toll! Ich empfehle es jeder Mutter! Man kommt den Kindern so nahe, und voller Begeisterung kann man ein gemeinsames Projekt umsetzen.

EireVerlag: In eurem Buch „Reich werden für Kinder“ geht es um die ersten Schritte auf dem Weg zur Millionärin. Welche Ideen haben euch am besten gefallen? Und was würdet Ihr auf keinen Fall wiederholen wollen?


Sophia:
Das Pop-Up-Café hat Spaß gemacht, vor allem das Bedienen. Ich hätte ja gern ein richtiges Café und habe meine Mutter beauftragt, bei einem leerstehenden Geschäft in Paderborn nachzufragen. Auf keinen Fall wiederholen will ich das Flyer-Verteilen für das Buch.

Johanna: Das Pop-Up-Café. Wir sollten es zum Restaurant ausbauen. Nicht so schön war das Sparen an Lebensmitteln. Billiges Zeug schmeckt einfach nicht.

Mareike: Ich fand das Café auch gut. Beim Buchvertrieb haben wir einige Fehler gemacht, die ich nicht so gern wiederholen würde. Nun, bei Band 2, wird es bestimmt besser.

EireVerlag: Sophia, was fandest du am schwierigsten und am leichtesten; die allgemeine Planung, die Auswahl der Arbeiten, die letztendliche Durchführung oder vielleicht das Bewahren der Geduld, bis das Ziel erreicht war?


Sophia:
Ja, am schwierigsten war die Geduld. Man braucht ja auch wirklich viel Geduld.

Johanna: Keine Ahnung.

Sophia: Mensch, wenn du immer sagst „Keine Ahnung“ verkaufst du auch nix!

EireVerlag: Euer erstes Ziel, einen Urlaub im Tropical Islands zu verbringen, habt Ihr erreicht – habt Ihr inzwischen weitergemacht oder legt Ihr momentan eine Pause im Millionärin-Werden ein?

Sophia: Wir machen weiter. Es ist schöner, wegzufahren als Millionärin zu werden.

Johanna: Ich will Geld verdienen.

Lisa: Ich will weitermachen, Geld verdienen und wegfahren!

EireVerlag: Wie haben es eure Verwandten, Freund*innen und Nachbar*innen aufgenommen, als Ihr von eurem Vorhaben erzählt habt?

Sophia: Viele erwarten die Bücher als Geschenk und wollen gar kein Geld bezahlen. Ich glaube, manche sagen: Ich lade Sophia zum Geburtstag ein, dann schenkt sie mir das Buch und ich muss es nicht kaufen.

Lisa: Also meine Verwandten haben gesagt…

Johanna: Mensch, deine Verwandten sind auch unsere Verwandten!

EireVerlag: Im Buch geht es auch darum, dass das Bestreben von Kindern, für Geld zu arbeiten, ein „Tabuthema“ in den meisten Gesprächen ist. Woher kommt diese Auffassung?

Mareike: Ich denke, das hat viele Wurzeln. Eine sehr zu befürwortende kommt aus der Kinderschutzbewegung. Eine andere aus einem generationenüberlieferten Geldtrauma mit den zwei großen Krisen der 1920er und 1940er Jahre, die das Verhältnis von Familien zum Geld lange beeinflusst haben – und die Krise von den Kindern fernhalten wollen. Hierher kommen auch Glaubenssätze wie „mit Geld spielt man nicht“, „über Geld spricht man nicht“, „Geld verstehst Du nicht“ usw. Eine dritte Ursache trifft, denke ich, durchaus Sophias Feststellung, dass Erwachsene keine Macht abgeben wollen und den Kompetenzen von Kindern skeptisch gegenüberstehen. Tatsächlich ist Geld inzwischen ein komplexes Thema, dem sich vielleicht auch viele Erwachsene ohnmächtig gegenübersehen. Die können natürlich auch ihre Kinder nicht „ermächtigen“.

EireVerlag: Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld beizubringen, kann für Eltern eine anspruchsvolle Aufgabe sein – Taschengeld, ob wöchentlich oder monatlich, scheint für die Mehrheit eine logische und einfache Methode zu sein, dies zu erreichen. Mareike, wie kam es dazu, dass Du dich gegen diese altbewährte/ eingespielte Methode entschieden, und die Wünsche von Sophia sehr ernst genommen hast?


Mareike:
Mein Startpunkt war Angela Merkels „Systemrelevanz“ der Bankenrettung. Grundsätzlich stelle ich diese Alternativlosigkeit in Frage, aber wenn das nicht das Thema ist, sondern man wirklich davon ausgeht, dass Banken „systemrelevant“ sind, dann gehört zu einer umfassenden Bildung auch Geldwissen und Geldkompetenz. Ich bin Geisteswissenschaftlerin und wusste kaum etwas über Geld; ein wenig, ja, als Angestellte, als Freiberuflerin, als Konsumentin, als Bankkundin, als jemand, der auch wirtschaftsgeschichtliche Fragen erforscht. Und, oh Schreck: Damit weiß ich ja sogar schon verhältnismäßig viel. Ich suchte nach Büchern, um mit meinen Kindern etwas über Geld zu lernen und war frustriert, dass es eigentlich nicht um Geld ging, sondern um Sozialdisziplinierung: einfordern, einteilen, sparen, konsumieren. Das passt aber nicht mehr zu dem System, für das Banken relevant sind.

Ich fand und finde es erfrischend, mit den Kindern eine eigene Beobachtung zum Geld anzustoßen und in verschiedenen Geldbereichen zu experimentieren. Sie haben ihre eigene Art, Geld zu bewerten, zu verstehen, einzusetzen. Ja, sie sind auch anfällig für Manipulation, und das erfordert viel Aufmerksamkeit und Selbsterziehung. Ihr Geldhandeln ist abhängig ist vom sichtbaren Handeln der Erwachsenen in ihrem Umfeld – und damit helfen die Kinder mir, zu erkennen, wie anfällig ich eigentlich selbst für Manipulation bin.

Und Sophias Wünsche ernst zu nehmen war mir eine Herzensangelegenheit, sie sind ja legitim, wir müssen nur stets schauen, welche Ressourcen zur Verfügung stehen; und dazu gehört auch meine Kraft. Außerdem war sie wirklich überzeugend.

EireVerlag: Mareike, aus dem Vorhaben und dem Buch entstand die Idee, Veranstaltungen für Eltern etc. anzubieten – über Kinder, Geld und den Austausch über Erfahrungen und Werte. Was sind die wichtigsten Aspekte, die Du in Veranstaltungen gerne vermitteln würdest?

Mareike: In den Veranstaltungen haben wir zunächst Wert darauf gelegt, dass das Reden über Geld unterhaltsam und kurzweilig sein kann. Wir thematisieren, dass die Bewertung von Geld von Kultur und Zeit abhängt und natürlich von der eigenen finanziellen Situation. Welches „Geld-Mindset“ liegt vor, und was davon geben wir an unsere Kinder weiter? Welches Erziehungsziel verfolgen wir beim Thema Geld? Wie sprechen wir über Geld? Ich erarbeite mit den Teilnehmer*innen – wenn wir genügend Zeit haben – Konzepte zum spielerischen, bewusst-achtsamen und zielstrebigen Umgang mit finanziellen Themen in der Familie. Mein Ziel liegt im Empowerment von Eltern und Kindern.

EireVerlag: Sophia, hast Du schon ein neues Ziel vor Augen? Ein weiterer Urlaub, oder vielleicht doch das Trapez im Kinderzimmer?

Sophia: Ich möchte in Australien Tauchen gehen.

Johanna: Ich möchte nach Rulantica.

Lisa: Ich möchte eine Freundin besuchen, die weggezogen ist.

EireVerlag: Im Buch werden Sophias Erfahrungen auf der einen Seite dargestellt, und auf der anderen Seite wird die Verbindung zwischen dem Erlebten und gesellschaftlichen Themen gezogen – Grundeinkommen, Privilegien und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild. Mareike, wie war es für Dich dies mit deinen Kindern zu erleben, um es dann als Autorin in Worte zu fassen?

Mareike: Es war sehr lehrreich und ist nun eine gute, warme Erinnerung. Aber es hat mir auch gezeigt, wieviel Energie diese Projekte auf sich konzentriert haben. Nun, zwei Jahre nach dem ersten KinderGeld-Projekt, stelle ich fest, wie selbstverständlich für die Kinder und für mich das Sprechen über Geld ist, manchmal über den Mangel für einen bestimmten Wunsch, häufig aber über die Entscheidungen, wofür wir Geld ausgeben möchten und wie wir am besten an dieses Geld kommen. Ich hätte nach dem ersten Projekt nicht erwartet, wie sehr dieser Erfolg das Selbstbewusstsein der Kinder stärkt. Sie haben in den folgenden Monaten immer wieder eigene Ziele gesteckt und erreicht. Eine neue Schwierigkeit besteht nicht darin, den ersten Erfolg zu wiederholen, sondern alle auf dasselbe Ziel zu vereinen, denn diese Selbstwirksamkeitserfahrung hat auch dazu geführt, dass jedes Kind für sich Ziele definiert, und eben nicht alle an einem Strang ziehen, und damit auch das Erreichen dieses Ziels viel schwieriger ist.

Der Bezug zu gesellschaftlichen Themen war für mich eine Bereicherung, aber Grundeinkommen etc. spielen für die Lebenserfahrung und -praxis der Kinder noch keine Rolle. Sie interessieren sich eher für den Goldpreis, das ist in der materiellen Variante schön konkret. So läuft zum Beispiel mein Beitrag zum Grundeinkommen weiter, und wir haben etwas Gold gekauft, um die Preisentwicklung zu beobachten. Das ist natürlich gerade ein Grund zur Freude, doch es ist nicht so leicht, das schöne Gold wieder zu verkaufen, nur um in den Urlaub zu fahren.

Die Privilegien, tja… Ich hatte gemischte Gefühle, als die Kinder das Discounter-Essen so vehement ablehnten und auf den Einkauf beim Hofladen insistierten, auch wenn dafür der Urlaub verschoben werden oder eine neue Idee hermusste. Ich war besorgt, was sie denn dann in Krisenzeiten tun werden, oder im Studium, wenn weniger Geld da ist… aber letztlich kann ich ganz beruhigt sein, denn sie setzen Prioritäten, die für ihr soziales Umfeld und die Umwelt gut sind und erleben den verschobenen Urlaub nicht so sehr als Verzicht. Ich denke, diese Haltung sollte ich schätzen, statt auf dem Discounter und dem pünktlichen Urlaub zu beharren.

EireVerlag: Wir hoffen auf einen weiteren Band, mit ebenso viel Witz und Herz – gibt es Pläne für eine Fortsetzung?

Sophia: Also von meiner Seite aus generell schon. Jetzt schreibe ich aber erstmal ein Geschichtenbuch. Es wird „Aeryn, die Tierflüsterin“ heißen.

Johanna: Ich arbeite gerade an einem Fantasy-Krimi: „Miss Tigris“. Miss Tigris ist eine Superheldin, die ein Kaninchen vor dem Angriff von Schleim rettet.

Lisa: Vielleicht schreiben wir ja mal ein Paw-Patrol-Buch. Das würde ich dann auch gern lesen!

Mareike: Ich habe allerlei Schreibschulden an anderer Stelle zu begleichen. Aber wenn genug Material für einen dritten Band kommt, wird er natürlich geschrieben.

Vielen Dank für Eure Zeit. Die Fragen stellte Anna Helene Lemke.

Das Buch “Reich werden für Kinder” von Sophia Wehle und Mareike Menne wird im Februar im EireVerlag erscheinen.

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