Ein Interview mit Werner Pfeil

Wie geht es unseren Autor*innen, in einer Zeit, in der Lesungen ausfallen, Buchhandlungen lange geschlossen waren und sich unser Leben so stark verändert hat?

In dieser Reihe interviewen wir unsere Autorinnen und Autoren, um zu erfahren, wie es ihnen geht, wie sie die vergangene und kommende Zeit verbringen und welche Eindrücke sie mit uns teilen möchten. Das erste Interview dieser Reihe wurde mit Kriminalautorin Janne Joonsen („Die Kälte der Teufel“) geführt – einige Fragen kommen aufmerksamen Leser*innen daher bestimmt bekannt vor. Um einen Dialog herstellen zu können, haben wir uns entschieden, einige Fragen allen Interviewten zu stellen – somit werden Meinungen, Positionen und Stimmen besonders sichtbar.

EireVerlag: Lieber Werner, Du schreibst seit einiger Zeit Kriminalromane und hast einen Bericht zu Deiner Vergangenheit als Soldat veröffentlicht („Ein Sommertag im Krieg“). Der EireVerlag hat Dich schon einige Male interviewt; das letzte Interview mit Dir war im März dieses Jahres. Und so vieles hat sich in unser aller Leben seither verändert – für manche mehr, für andere weniger. Deshalb hier eine einfache, aber ehrliche Frage: Wie geht es Dir?

Werner Pfeil: Um es vorwegzunehmen; sehr gut, obwohl ich das aus gesundheitlichen Gründen etwas einschränken muss. Dennoch bleibe ich bei gut.

So schnell und weitreichend hat wohl noch keine Krise in den Alltag der Menschen weltweit eingegriffen, dennoch habe ich das „Schiff“ Werner Pfeil, schon durch andere Krisen manövriert. Ich war also nicht auf mich fokussiert, sondern habe mir Zeit genommen, um Mitmenschen, beginnend in der eigenen Familie, aber auch einige Freunde und Bekannte zu beobachten und war teilweise erschrocken. Panik und Hysterie konnte ich erkennen, aber auch Hilflosigkeit den Ereignissen gegenüber. Es gab nirgendwo den von mir in meinen Geschichten hochgelobte „Plan B“ zu erkennen.

Bei den meisten hat die Pandemie den Rhythmus des täglichen Lebens, Tagesabläufe und Konsumgewohnheiten durcheinandergebracht. Da ich meinen Tag schon immer stark durchstrukturiert habe, gab es bei mir keine Veränderungen. Ich muss allerdings sagen, dass man sich als Soldat, gerade als ein Veteran, der reichlich Auslandseinsatzerfahrung in die Waagschale werfen kann, mit Entbehrungen, Kasernierung etc. und dem Leben unter erschwerten und ungünstigen Rahmenbedingungen, gut auskennt und damit nie ein Problem hat und haben wird.

Ich konnte der Pandemie sogar Positives abgewinnen, was an meiner Lebenseinstellung liegen mag. Familie, Freunde, Nachbarn sind näher zusammengerückt. Es wurde mehr gelesen, Gesellschaftsspiele fanden wieder ihren Platz auf den Wohnzimmertischen zu Hause. Ein „wie geht es dir?“, wurde nicht nur daher gesagt, sondern wurde zu einer ernst gemeinten Frage.

EireVerlag: Die „Corona-Krise“ verändert das Leben, teils überaus drastisch und unwiderruflich. Verlegerin Mareike Menne hat in ihren Corona-Updates auch über die Hürden des EireVerlages geschrieben. Wie bewertest Du die Veränderungen, die es in deinem Leben gab, welchen Ausmaßes sie auch sein mögen, privat oder beruflich?

Werner Pfeil: Natürlich habe ich die Einschränkungen zu spüren bekommen. Im privaten gab es jedoch sehr wenige. Persönlich getroffen hat mich die Tatsache hart, dass ich drei Wochen nicht ins schöne Rinteln nach Niedersachsen zur Freundin fahren konnte. Leider wurden Urlaube in Büsum, Duhnen storniert und eigentlich wäre ich auf dem Weg zum Nordkap, hätte gar keine Zeit für ein Interview dieser Art. Habe Alternativen gesucht und bin mit zwei Kurzurlauben zum Angeln an der Weser und in Ostfriesland fündig geworden. Um auch den letzten Bereich abzudecken; als Pensionär, also im „Berufsleben“, gab es keine Restriktionen zu verzeichnen.

Als Autor bin ich, wie viele andere, von den Auswirkungen stark betroffen. Termine, in dem ich aus meinem aktuellen Krimi, Schwurstein oder aus dem Sachbuch ein Sommertag im Krieg lesen wollte, mussten abgesagt werden. Letzteres ärgerlich, da ich für vier Auftritte im Rahmen der Buchmesse Leipzig gebucht war. Bedeutet ein Minus in der Kasse. Geld, was ich gern in ein neues Projekt investiert hätte.

So konnte ich zwar unmittelbar vor dem Lockdown die Buchvorstellung des 6. Senne-Krimis im Amalthea-Theater und eine Lesung zum Sachbuch in Rinteln abhalten, aber dann ging nichts mehr und zurzeit scheinen die Bretter, die auch für Autoren die Welt bedeuten, vernagelt zu sein. Lediglich namhafte Künstler bekommen Gelegenheit, sich dort zu präsentieren. Also mussten andere Ideen her.

Habe neue Wege beschritten und Buchexemplare Schwurstein an über die Grenzen hinaus bekannte Bloggerinnen und Blogger geschickt, die mit ihren Buchvorstellungen und Rezensionen eine große Leserschar erreichen. Als Beispiel führe ich gern Helgas Bücherparadies an, die für namhafte Verlage rezensiert und das Ergebnis auf vielen Plattformen gestreut hat.

https://helgasbuecherparadies.com/

oder bei

Meine #Rezension zu Werner Pfeil SCHWURSTEIN Bei der Geldübergabe mit einem Geldtransporter wird der Fahrer…

Gepostet von Helgas Bücherparadies am Sonntag, 19. Juli 2020

EireVerlag: Die Eindämmung des Virus ist unser aller Aufgabe, doch das Thema wird auch politisiert. Welche Emotionen, Gefühle, Mechanismen, Schwierigkeiten erlebst Du in Deinem Alltag, aber auch in Deiner Profession als Autor? Kannst, möchtest Du über das Erlebte schreiben?

Werner Pfeil: Ich habe mich häufig über die Unvernunft einiger Mitmenschen geärgert, die es nicht nötig zu haben scheinen, sich an die Maskenpflicht und Mindestabstände zu halten. Hab ihnen kein Verständnis und null Toleranz entgegengebracht und das auch deutlich zu spüren gegeben. Mir ist dabei völlig egal, ob sie nicht glauben, dass man das Virus damit eindämmen kann, oder aus welchen Gründen sie es ablehnen. Mitmenschen gegenüber ist es schlicht und ergreifend respektlos und dass es nicht ungefährlich ist, belegen ausreichend Statistiken. Mittlerweile ist das Anlegen der Maske, wie das des Sicherheitsgurtes, ein fester Mechanismus. Um beim Ärger zu bleiben; der Lockdown hat einige Buchhändler, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, stark getroffen. Sicher, es wurde mehr gelesen, aber Bücher meist „am Amazonas“ bestellt, obwohl man es auch vor Ort hätte bekommen können. Wenn ich dann noch überlege, dass man steuerlich keine Handhabe … ach, ich höre jetzt besser auf.

EireVerlag: In unserem letzten Interview hast Du geschrieben, dass Du dir gerne Inspiration in Cafés und bei Spaziergängen in der Stadt suchst. Wie hat sich diese Tradition verändert? Hast Du neue, andere Inspirationen für das Schreiben finden können?

Werner Pfeil: Wanderungen habe ich auch während des Lockdowns unternommen, Cafés allerdings waren ja lange tabu, aber nun bin ich dort wieder zu anzutreffen. Ich kann jedoch nicht sagen, dass ich an diesen Orten, entgegen vergangener Zeiten, Inspiration gefunden habe. Dafür war das beherrschende Thema, sofern mal auf Abstand ein Gespräch zustande kam, zu allgegenwärtig. Da ich für das neue Buch die Geschichte, den Plot und die Figuren bereits fest umrissen hatte, bedurfte es allerdings auch keiner.

EireVerlag: Schreibblockade – ein gruseliges Wort für alle Arten von Autor*innen, ob Sachbuch, Essays oder Roman. Bedeutet „Corona“ für Dich kreative Freiheit oder gar Lähmung?

Werner Pfeil: Lähmung, nein, denn ich konnte ja schreiben … in Ruhe im Büro und bei gutem Wetter an der Gartenhütte. Darüber hinaus habe mir bei Facebook eine Seite angelegt, auf der ich meine „Follower“ mit Videos aus den bisher veröffentlichten Werken unterhalten habe und konnte in den sozialen Medien Werbung für meine Bücher betreiben. Habe dazu alte „Seilschaften“ aktiviert und so zumindest Ein Sommertag im Krieg auf Sachbuch-Bestsellerplatzierungen „am Amazonas“ halten können … ja ich weiß, mir wäre es auch lieber, wenn alle Leser am Tresen der Buchhändler bestellen würden. Sorry.

Das Manuskript eines Krimis, das ich im Dezember 2019 begonnen habe, sollte ursprünglich im Herbst 2020 spielen. Ich stand Anfang April vor dem Problem, es aufgrund Corona komplett umzuschreiben. Zweihundertfünfzig Seiten waren bereits geschrieben und die Pandemie, die sich hätte im Buch widerspiegeln müssen, spielte bis dato keine Rolle, was dem geneigten Leser sicherlich aufgefallen wäre. Hab es pragmatisch gelöst, und die Story in den März dieses Jahres verlegt. Es war einfacher, einige Szenen anzupassen, als den Text in Gänze zu ändern.

EireVerlag: Kannst Du unseren Leser*innen verraten, was Dir besonders durch eine schwere, anstrengende Zeit hilft?

Werner Pfeil: Niemand von uns geht gern durch schwere Zeiten, wie sie die Pandemie mit sich gebracht hat. Wenn dunkle Wolken in unserer kleinen, heilen Welt aufziehen, fragen wir uns meistens: Warum passiert das ausgerechnet jetzt? Begreifen wir hingegen, wie wertvoll solche Phasen sind, können wir sie mit einer positiven Einstellung bewältigen. In diesen Situationen können wir nämlich Dinge erkennen, die uns sonst gar nicht aufgefallen wären. Sie zwingen uns, zu prüfen und uns selbst zu hinterfragen. Das eigene Handeln hat Auswirkungen, das weiß ich nicht nur aus den Jahren in Auslandseinsätzen. Oft ohne große Tragweite, manchmal jedoch geht es dabei auch um Leben und Tod.

So viel zur philosophischen Betrachtung, nun zurück zur Praxis. Emotionaler Stress ist ein Fremdwort für mich. Bin weder unzufrieden oder gereizt, noch fühle ich mich überfordert und Pessimismus ersetze ich schlichtweg durch Optimismus. Dennoch schaue ich seit längerer Zeit keine Nachrichten, schalte das TV Gerät nur zum Film meiner Wahl ein und anschließend wieder aus. Auf standzuhalten versuche ich durch ausgewählte Sendungen und in der Tageszeitung interessiert aktuell nur der Lokalteil. Ob das ein Rezept ist? Keine Ahnung, aber mir hilft es.

EireVerlag: In Deinen Kriminalromanen geht es um ein Ermittlerteam, im Mittelpunkt stehen dabei Melanie und Vincent. Was glaubst Du, wie es Deinen Figuren in unserer heutigen Realität gehen würde? Oder hat Vincent seine Rente vielleicht schon vorgezogen, und Melanie das Team übergeben?

Werner Pfeil: Nun muss ich vorsichtig sein, denn ich möchte meinem neuen Buch nicht vorgreifen. Eins allerdings ist Fakt; Kriminalhauptkommissar Vincent Blohm und Kriminaloberkommissarin Melanie Schwarz ermitteln zunächst weiter, aber im Team gibt es Veränderungen.

EireVerlag: „Schwurstein“ ist der sechste Roman der Sennekrimi-Reihe und auf Facebook haben wir gesehen, dass man über einen siebten Teil munkelt. Wir jedenfalls sind gespannt, wie es denn weitergehen könnte… Kannst Du uns etwas zu Deinen Plänen erzählen? Vielleicht gibst Du uns einen Hinweis auf die Handlung?

Werner Pfeil: Es wird ein spannender Krimi, verpackt in eine tiefgreifende Geschichte, die tief im Herzen widerhallt und ein Stück Zeitgeschichte schreibt, denn schreckliche Dinge geschehen auf einem Hof in der Senne Ende des 2. Weltkrieges. Jahre später wird eine mumifizierte Leiche gefunden. Erste Spuren führen das Ermittlerteam rund um Vincent Blohm und Melanie Schwarz in Deutschlands dunkle Vergangenheit, in die Wolfszeit, in der die Domstadt Paderborn in Schutt und Asche lag und das Recht des Stärkeren regierte.

Kryptische Botschaften des Täters deuten sowohl auf weitere Verbrechen, als auch auf sein Motiv. Schnell stößt das Ermittlerduo auf eine verbitterte Frau, die jahrelang in der Psychiatrie verbrachte. Was weiß diese Person über die Tat und kennt sie potenzielle Mordopfer? Auf der Suche nach dem skrupellosen Mörder müssen die Ermittler aus der Domstadt im Dreck der Vergangenheit der Opfer wühlen.

Vielen Dank für Deine Zeit – wir wünschen Dir nur das Beste und sind gespannt auf weitere Werke!

Fragen von Anna Lemke

Schwurstein. Werner Pfeil. ISBN: 978 3-943380-94-1. Hier bei uns bestellen: https://eire-verlag.de/kontakt-2/. Natürlich erhältlich in einem Buchladen Ihrer Wahl.

Mehr Infos zu der SenneKrimi-Reihe gibt es hier:

http://www.senne-krimi.de/

https://www.facebook.com/werner.pfeil

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