Heute ist Tag des Gartens. Und das Wetter läd dazu ein, über Gärten im Kulturvergleich nachzudenken, statt Gartenkultur zu praktizieren. Vor Jahren forschte ich nämlich zum europäisch-chinesischen Kulturtransfer im 17. und 18. Jahrhundert, und damit natürlich auch über die chinesischen Gärten Europas und Pflanzenimporte. Wurden umgekehrt auch in China auch europäische Gärten angelegt? Nur einer, von dem ich weiß: Im Yuanmingyuan, der zeitweiligen Residenz der Qing-Kaiser, gab es einen europäischen Gartenteil. Jedoch vermutlich ohne europäische Pflanzen, jedenfalls ist nichts überliefert. Schlimmer noch: Ein chinesischer Reisender stellte um 1800 fest: „Die Europäer haben uns unsere Pflanzen gestohlen.“ Päonie, Zitrone, Primel und auch die Funkie stammen ursprünglich aus China. Die Art, Pflanzen im Garten einzusetzen, war dort allerdings ganz anders als in Europa. Für Auswahl und Standort war auch entscheidend, welches Geräusch der Regen machte, wenn er auf die Blätter tropfte, und welches der Wind, wenn er durch Gräser und Blattwerk fuhr. (Dass wir von den Leuchttürmen der Gartenkultur schreiben, versteht sich von selbst.)

Zum Tag des Gartens verweisen wir darum heute auf einen Garten mit einer Funkiensammlung: Reinhard Menne bloggt darüber auf seiner Website Renardum. Im Eire-Verlag hat er bereits Postkarten und Kalender veröffentlicht. Das Geräusch des Regens auf den Blättern könnt Ihr Euch heute mit Leichtigkeit dazu vorstellen. Am 27. und 28. Juni ist der Garten für Publikum geöffnet. Reinhard Menne steht für botanische Gespräche zur Verfügung und zeigt eine Auswahl seines fotografischen Schaffens. Hier gibt es weitere Informationen.

(c) Reinhard Menne 2020
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