Coronazeit im Verlag

Vielleicht fragt ihr euch, was so ein kleiner Verlag eigentlich während der Corona-Krise macht. Ach, was soll ich klagen; ich mache dasselbe wie jüngst nach der Absage der Buchmesse, nach der Erhöhung der Büchersendungspreise, nach der Insolvenz von KNV, nach den Rückforderungen der VG-Wort infolge des BGH-Urteils, nach den Schließungen inhabergeführter Buchhandlungen in unserer Region, die zuverlässig unsere Neuerscheinungen bestellt haben…

Ich weine.

Aber irgendwann bin ich damit fertig und schaue, was nun tatsächlich ansteht.

Liquidität sicherstellen, natürlich.

Da ein Verlag auch und wesentlich ein Wirtschaftsunternehmen ist, und da ich in den vergangenen Jahren unter den Bedingungen wie oben immer wieder meine privaten Ersparnisse in den Verlag gesteckt habe, ist Liquidität ein zentraler und auch ein emotionaler Faktor. Ohne Geld geht es nicht. Geld ist manchmal, wenn es Kritik hagelt oder Nörgeleien den Alltag überschatten, auch ein pragmatischer Trost. Geld ermöglicht uns, Ideen zu verwirklichen, Manuskripte zu Büchern werden zu lassen, die aus sich selbst heraus vielleicht nicht wirtschaftlich sind. Ich brauche neue Ideen zum Geld. Gut, dass der Verlag Nachwuchs im eigenen Haus hat, der in Gelddingen sehr umtriebig ist. Der Verlag braucht neue Finanzierungsideen, und ja: Er braucht auch Einnahmen. Dieser kleine Verlag wird, wenn die Einnahmen nicht steigen – sondern, wie im Moment, um 90% einbrechen -, am Jahresende nicht mehr existieren können, da auch die privaten Rücklagen, die ich für dieses Projekt aufgebracht habe, nach der Coronazeit erschöpft sein werden. Wir – als Team – sind darum für alle Finanzierungsideen, alle Käufe und alle Leistungsbuchungen sehr dankbar.

Wie man unsere Bücher kauft

Kulturangebote, Literatur und Kunst machen unser Leben bunt, emotional, interessanter. Unsere Bücher sind ein winziger Teil von etwas Großem – einer vielfältigen und nicht stillstehenden Literaturgemeinschaft in Deutschland. Unsere Bücher sind aber auch Liebhaber*innenprojekte, die Menschen eine Stimme geben, die anderswo vielleicht nicht gehört werden würden. Die EireVerlag-Autorinnen und -Autoren aus OWL schreiben Krimis, Gedichte, Kurzgeschichten, schreiben Kinderbücher, Essays und Sachbücher. In unserem Katalog findet ihr für jedes Genre ein einzigartiges Buch: http://eire-verlag.de/katalog/. Wir sind für jede Bestellung dankbar.

Übrigens liefern auch die Buchhandlungen im Kreis Paderborn bis vor die Haustür: Nicolibri, Meschede, Linnemann/Bonifatius. Und falls unsere Titel nicht in deren Katalog gelistet sind, dann liegt es daran, dass hinter den Seiten Großhändlerkataloge stehen, in denen wir nicht geführt werden. Aus Erfahrung können wir schreiben: Mit einer Mail oder einem Anruf klappt auch im lokalen Buchhandel die Bestellung unserer Titel. All diese Buchhändler*innen sind sehr engagiert.

Wie man uns Ideen schickt

Wenn ihr Ideen habt, wie unser Verlag diese Zeiten überstehen kann, meldet euch gerne bei Lektorin Anna Lemke unter annalemke@eire-verlag.de.

Die Arbeit im Team

Bislang habe ich es stets als Bereicherung erlebt, im persönlichen Kontakt zu arbeiten. Das mag sich wie eine Floskel anhören. Aber ich bin nicht mehr ganz jung, und mein eigentlicher Beruf spielt sich in einer sehr kleinen, abgeschlossenen Nische ab. Mit den Jahren wird es schwieriger, Freunde und gute Bekannte zu finden. Der Verlag gab mir die Gelegenheit, Menschen näher kennenzulernen. Aus Arbeitsbeziehungen sind manche Freundschaften entstanden. Mit der Zeit wuchsen Nähe und Respekt für Menschen, die ich in meinem normal sozialen Alltag vermutlich nicht getroffen hätte, geschweige denn, dass ich Zeit für Austausch und ernsthaftes Interesse an ihren Perspektiven gehabt hätte. Klar bin ich beschäftigt. Klar bin ich auch Snob, vielleicht Teil einer kleinen elitären Ausnahmegruppe, die diese Konzentration auch braucht, um gute Leistungen zu erbringen. Menschliches Wachstum aber wurde möglich in der gemeinsamen Arbeit mit der Heilpraktikerin, dem Veteran, der Krankenschwester, den Journalisten, den Studierenden und den vielen Menschen, die mir wahrhaftige Begegnungen ermöglichten. Diese Begegnungen fehlen mir. Sie haben auch einen Einfluss auf die Qualität meiner Arbeit und der Werke, die wir im Verlag betreuen. Nein, nicht auf PunktKommaStrich. Aber auf Sound und Schwingung, auf neue Ideen, auf Euphorie, auf weiterführende, bereichernde Kritik.

Natürlich sind Telefon, Skype, E-Mail, Messenger und Clouds Werkzeuge, die nützlich sind und uns jetzt die Arbeit erleichtern – oder überhaupt erst ermöglichen. Aber sie funktionieren meiner Erfahrung nach erst dann wirklich gut, wenn auf der Beziehungsebene alles klar ist, wenn wir einen gemeinsamen Modus – ein WIE – gefunden haben, wenn wir ganz viel unbewusstes und Erfahrungswissen über unser Gegenüber gesammelt haben und Vertrauen entstehen kann.

Sichtbarkeiten

Einerseits wächst notgedrungen die Akzeptanz für Online-Lösungen, auch im Kultur- und Buchmarkt. Andererseits sind Bücher und Texte nur ein Teil unseres Angebots; wir leben auch und wesentlich von der Begleitung von Autor*innen und Kulturveranstaltungen im persönlichen Kontakt. Hier ist in den vergangenen Tagen der Kommunikationsaufwand enorm gestiegen, ohne dass Sichtbarkeit und Einnahmen daraus erwuchsen.
Die Sichtbarkeit, überhaupt: Die Aufmerksamkeit vieler Menschen ist derzeit auf unterschiedliche Art gefesselt und zugleich reduziert. Corona-Berichterstattung und -Kommentare und -Tipps und so weiter dominieren und ermüden; Homeschooling und Home-Office kommen hinzu. Die Bereitschaft, noch mehr über digitale Geräte aufzunehmen, sinkt, jedenfalls bei mir.

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich jedenfalls fühle mich erschlagen und vollständig lustlos, online-Konzerte, e-Books, online-Netzwerktreffen, Skype-Lesungen zu nutzen. Ich verbringe ohnehin unfreiwillig mehr Zeit an Bildschirm und Telefon. Zugleich schätze ich die vielen tollen Ideen und Initiativen sehr. Dass Ergänzungen, Innovationen und positive Vibes hochwillkommen sind, steht außer Frage. Doch ich glaube nicht daran, dass in der aktuellen Situation ernsthaft Sichtbarkeit für kleine Verlage über Online-Angebote zu schaffen ist. Für mich stellt Ruhe einen Wert dar, der mir nun erlaubt, grundsätzlich zu fragen, was ein kleiner Verlag für eine Gesellschaft leisten kann – außer Unterhaltung. Was ist unsere Funktion im Panikmodus und in einer veränderten Gesellschaft „danach“, was können wir leisten, was andere nicht können, und wie können wir das gut und sichtbar umsetzen? Mit diesen Fragen arbeite ich gerade. Und ich halte euch darüber gern auf dem Laufenden.

Bis dahin – genießt den Frühling!

Text von Dr. Mareike Menne

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