Coronazeit im Verlag: Teil 3

Wir hängen am Buch – Sie auch?

Stellen Sie sich einmal vor, in ferner Zukunft stößt eine Historikerin auf die Stichworte „zwei Päpste“, „Notre-Dame: eine Baustelle“, „Seuchen“, „gegen Krankheit hilft Vermummen“ und „Wärmeperioden“ – es wäre vielleicht gar nicht so eindeutig möglich, eine solche Zeit zu datieren. Bei der Epochenzuordnung – handelt es sich um eine Unruhephase des frühen 21. Jahrhunderts oder um eine des 14. Jahrhunderts – würde uns ganz vorwissenschaftlich ein interessantes Merkmal weiterhelfen: Gab es mit beweglichen Lettern gedruckte Bücher? Ja? Dann 21. Jahrhundert. Nein? Dann 14. Jahrhundert.

Dieser Gedanke hakt natürlich an vielen Stellen, aber es tat gut, ein wenig aus dem Alltag herauszutreten, diese radikale Gegenwart zu verlassen und das Geschehen historisch zu verorten. Kränkend, vielleicht. So außergewöhnlich sind wir nicht. Tröstend, vielleicht: Das gedruckte Buch gehört zu den Strukturelementen, die Mittelalter und Neuzeit trennen, wenn wir bei dieser Epochalisierung bleiben wollen. Und jetzt beobachten wir, dass das, was Bücher bewirkten, auch ohne Bücher geht: Wissen sichern und verbreiten, Diskurse auslösen und bestimmen, asynchrones und doch gemeinsames Denken aus unterschiedlichen Perspektiven mit verschiedenen Haltungen. Mich beunruhigt mitunter der Wunsch, mich agil den aktuellen Umständen anzupassen und weiterzuentwickeln – wie werden wir das Buch anpassen? Was wird das Buch zukünftig können – das alte, ja, aber um was können wir es anreichern, unverwechselbar machen?

Ich hänge am Buch.

Und nun beobachte ich in dieser Krise, dass andere auch am Buch hängen. Die Verlagsseite hat erstaunlich viele Aufrufe, vielen Dank dafür! Ich rätselte, warum sich das nicht in Bestellungen niederschlägt, und eine Lösung könnte sein: Weil Verlage nicht interessant sind für Leser*innen auf der Suche nach Lektüre, sondern für Autor*innen auf der Suche nach Unterstützung und Sichtbarkeit. Diesem Gedanken folge ich noch eine Weile, und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir im Kommentar Feedback gäben: Stimmt das? Warum sind Sie hier? Und, falls Sie Autor*in sind – inwieweit führen Ihre Texte uns in eine neue Epoche? Und ist das Buch ein geeignetes Medium dafür?

Text und Bild von Mareike Menne

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