Coronazeit im Verlag: Teil 2

Update: Coronazeit im Verlag

Wir kreisen. Darum illustrieren auch ein paar meiner Kritzeleien diesen Beitrag.

Wir kreisen um die Frage, was eigentlich ist und wie es auf dieser Grundlage weitergehen kann. Ob und wie es gut ist, sich auf die Erschütterung einzulassen, statt eine alte Normalität zu wünschen. Und was dann mit den alten Bildern, Werten, Selbstverständlichkeiten geschieht. Der Kreis schließt sich also, und sofort beginnt er erneut. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die radikale Gegenwart, die wir erleben, im Plural erlebt wird. Stolpert Ihr auch darüber, dass eine gängige Phrase ist: „in Zeiten von Corona“? Warum sind es denn schon mehrere Zeiten? Zumal dieses Corona nur Präsens zu kennen scheint. Oder sind es mehrere Präsenzien, vielleicht auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen? Wie gut, dass es einen Anlass gab, den Plural von „Präsens“ nachzuschlagen.

Ich versuche, diese kreisende Bewegung zu ergründen. Mir hilft ein Spielzeug, der Spirograf; ich habe inzwischen eine Sammlung, drehe immer weiter, manchmal gibt es hübsche Muster, manchmal sehr komplex, manchmal auf dem Niveau einer Prilblume, aber die finden ja auch viele Menschen hübsch, oder erleben daran wenigstens Nostalgie, was wiederum auch lange als Krankheit galt.

Wie finde ich aus diesem Kreisen?

Die Realität hilft. Wie hoch ist der Einbruch tatsächlich? Aktuell sind wir bei 18% des monatlichen Vor-Corona-Umsatzes. Zum ersten Mal haben wir eine Neuerscheinung, von der wir null – 0! – Exemplare verkauft haben. Das Kreisen muss also abrupt enden.

Neben dem, was nicht mehr klappt, sehe ich aber auch, was gelingt. Ich sehe, dass die Reaktionen auf Bildung, Sport und Naturthemen lebhafter sind als auf Belletristik, die Inanspruchnahme von Dienstleistungen, auch zur Digitalisierung und Begleitung von Veränderungsprozessen von Autor*innen nachgefragt werden im Gegensatz zum Produkt Buch. Die Veränderungen, die kommen, zeichnen sich nun klarer ab, werden greifbar. Der erste online-Workshop läuft, wurde gelobt – Selfpublishing für Fortgeschrittene –, und ich bin froh darüber.

Komm zurück in den Kopf! Das ist zwar gerade gar nicht in Mode, man lebe doch im Moment, tue mehr von dem, was glücklich macht, folge dem Bauchgefühl. Nicht mein Weg. Vielleicht ist die Entscheidung für das Rationale, Kritische, Analytische, mitunter auch Epistemologische, Anstrengende und Zeitenüberschreitende nicht populär, nicht immer digitalisierbar und schließt viele Menschen aus. Tatsächlich schaffe ich das Im-Kopf-Bleiben auch nicht immer, täglich packen mich Wut und Frust und ich muss mich mahnen: Zurück in den Kopf! Tue das, was du gut kannst, nicht das, wonach dir gerade die Laune steht. Widme dich den rationalen, hoch- und vielbegabten, sensiblen und leistungsfrohen Menschen. Halte das Nichtkonforme aus und schöpfe daraus, einfach ein weiteres Mal.

Der menschliche Geist ist ein mächtiges Werkzeug.

So gehen wir nun den Sommer an und freuen uns, wenn ihr uns auf verschiedenen Wegen begleitet.

Text von Dr. Mareike Menne

Menü