Interview mit Werner Pfeil

Eire-Verlag: Lieber Werner, Du bist ein sehr produktiver Autor und hast in den letzten vier Jahren fünf Romane und einige weitere Texte veröffentlicht. Was treibt Dich zum Schreiben, und was lässt Dich durchhalten?

Werner Pfeil: Mein Terminkalender war mit Eintritt ins Pensionärs-Zeitalter immer gefüllt, aber ich selbst war bei weitem nicht erfüllt. Das änderte sich schlagartig, als ich mein erstes Buch, „und kommt die goldene Herbsteszeit“ geschrieben habe. Für meine Freundin war es als Geburtstagsgeschenk gedacht – da ich beim Tatort immer schon nach wenigen Minuten wusste, wer der Täter war, hatte sie mich mit dem Spruch „Dann schreib doch einmal selbst einen Krimi!“ provoziert. Dabei entwickelte ich eine Leidenschaft, die man zwar leicht zeigen, jedoch schwer erklären kann. Seitdem habe ich viel Herzblut in meine Projekte investiert, eine Menge dazugelernt und die Resonanz meiner Leserschar dankt es mir auf unterschiedliche Art und Weise. Das muss sich nicht unbedingt in Verkaufszahlen niederschlagen, aber beim direkten Kontakt, bei einer Lesung zum Beispiel, bekomme ich viel zurück. Das ist Motivation und Antrieb zum Durchhalten in gleicher Weise.

Eire-Verlag: Haben die Senne-Krimis Dein Leben, Lesen, Sprechen verändert?

Werner Pfeil: Alle Anteile, die in dieser Frage stecken, kann ich guten Gewissens mit „Ja“ beantworten. Als ich als kleiner Junge in die Volkschule gegangen bin, habe ich es gehasst – das Schreiben. Schon der tägliche Gang zur Schule und vor allem die Rechtschreibung haben genervt, lediglich bei Aufsätzen konnte ich so etwas wie Spaß erfahren, da ich dabei auf „Teufel komm raus“ gelogen habe. Heute weiß ich, dass es die schon in Grundzügen vorhandene Fantasie war, die mir und meinen Lehrern Streiche spielte.

40 Jahre nachdem ich die Schule hinter mir gelassen hatte, konnte ich das Schreiben für mich neu entdecken. Nun ist es aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken. Nachdem die Fantasie mir eine neue Geschichte eingepflanzt hat, bringt es das Chaos aus dem Kopf. Ich denke breiter, nicht mehr nur in meiner persönlichen Perspektive. Ich fühle mich, je weiter ich im Manuskript vorankomme, besser, es macht Spaß, bringt mich manchmal auf aberwitzige Ideen und verschafft mir eine innere Ruhe.

Ich lese sehr viele Manuskripte anderer Autoren, die unfertig sind, so wie meine eigenen, bevor ich sie bei einem Verlag einreiche. Das ist spannend und inspirierend zugleich, vor allem bin ich nicht nur „Leser oder Zuschauer.“ Dinge, die vom Autor aus „Betriebsblindheit“ nicht bedacht wurden, decke ich auf und Szenen, die vor meinem geistigen Auge wachsen, interpretiere ich anders als der Autor, kann ihm das in einer Kurzrezension und Kommentaren schreiben und somit gestalte ich auch bei einem fremden Buch ein wenig mit.

Bevor eine Idee zu Buchstaben wird und ins Manuskript fließen, müssen sie zurechtgefeilt werden. Das ist eine Menge Arbeit, an der viele Teile des Körpers beteiligt sind. Man geht sogar davon aus, dass mit der Hand Geschriebenes, auch Regionen des Gehirns anregt, die zum Denken und Sprechen benötigt werden. Ich schreibe die ersten hundert Seiten handschriftlich und von daher glaube ich schon, dass sich auch meine Sprache verändert hat. Vielleicht habe ich auch einfach mehr Synonyme gespeichert und dadurch meinen Wortschatz erweitert, die ich dann unbewusst beim Sprechen verwenden kann.

Eire-Verlag: Gibt es bestimmte Routinen, individuelle Tricks oder Eigenarten, die Dir beim Schreiben helfen?

Werner Pfeil: Ab der Veröffentlichung eines Buches, nicht einen Augenblick (Aberglaube) vorher, gehe ich auf die Suche nach neuen Ideen. Habe immer einen kleinen Notizblock dabei oder nutze das Diktiergerät meines Handys. Wenn ich der Meinung bin, die Geschichte ist gut, erstelle ich ein Denkbrett. Dabei setze ich die Protagonisten grafisch in Relation. Der nächste Schritt ist es, Szenen festzulegen, die ich in einem Roman-Plot unterbringe und dabei den Spannungsbogen festlege. Da ich mit Papyrus Autor arbeite, habe ich alle Features in einem Programm und brauche meine Wände nicht mehr mit Post-Its vollzuhängen, wie bei den ersten Büchern. Und dann, meist im Urlaub mit meiner Freundin an der Nordsee, wo Wind, Meereschrauschen und gemütliche Abende für einen freien Kopf sorgen, beginne ich draufloszuschreiben. Ohne Struktur gehts allerdings nicht. Ich setze mir selbst Fristen, so dass es für Außenstehende aussieht, als folge ich einer strengen Systematik. Dem ist nicht so, denn meine selbst gesetzten Auflagen lassen viel Spielraum, den ich für kreative Ideen brauche. Es gibt Tage, da geht nichts … na und, dafür wache ich in der Nacht auf, und die Worte tropfen einfach so in den Rechner.

Eire-Verlag: Hast Du Lampenfieber vor einer Lesung, und falls ja: Was tust Du dagegen?

Werner Pfeil: Da ich schon vor der Zeit als Autor sehr viele Vorträge über meine Einsatzzeiträume im Kosovo oder Afghanistan gehalten habe und in Vorständen (Schützen, Angelverein, Fanclub) für Tätigkeitsberichte verantwortlich war, bin ich es gewohnt vor vielen Menschen frei oder mit Sprechtext zu reden. Somit weicht das Lampenfieber lediglich einer leichten Nervosität.

Eire-Verlag: Was wünschst Du Dir für deine Krimis?

Werner Pfeil: Zunächst einmal, dass ich den nächsten gesund und zufrieden zu Papier bringen kann. Dann natürlich, dass sich ein Verlag dieses Romans annimmt, ihn im Lektorat verfeinert und veröffentlicht. Der Traum eines jeden Autors ist es sicherlich, viele Leser anzusprechen. Das ist bei regionalen Kriminalromanen nicht so einfach, aber mit jedem veröffentlichten Buch, werden die Senne-Krimis bekannter und viele wollen auch die bereits im Buchhandel vorhandenen lesen. Der Wunsch, einmal für einem großen Verlag zu schreiben, ist natürlich vorhanden. Ich würde lügen, wenn es anders wäre. Dabei liegt es mir am Herzen, dass gerade jünger Menschen lesen und zwar in Büchern, wo man die Seite noch selbst umblättern muss und sie nicht nach links schiebt. Der Buchhandel leidet darunter und die Schließung „Linnemanns“ in Paderborn in der Westernstraße, ist ein weiteres Signal, aktiv für den Kauf eines Buches im fachlich-qualifizierten Buchhandel zu werben.

Eire-Verlag: Können wir uns auf neue Projekte freuen?

Werner Pfeil: Ja, denn im September wird es auf jeden Fall einen neuen Senne-Krimi geben. Wenn ich meiner im Kopf herumspukenden Idee Glauben schenken darf, dann geht es um einen Banküberfall, der vor einigen Jahren eigentlich nicht geplant war, Geld, das verschwunden bleibt, eine Höhle, und um jemanden, der versucht die damaligen Täter zu finden, um ihnen die Beute abzujagen. Mittendrin natürlich wieder das erfolgreiche Ermittlerteam aus der Domstadt, Vincent Blohm und Melanie Schwarz, von der man viele Neuigkeiten kennenlernen wird. So viel sei verraten.

Weiterhin wird es ein Buch mit Kurzgeschichten geben, das ich entweder allein oder als Anthologie mit einem anderen Hövelhofer Autor veröffentlichen möchte. Hierbei zeigen wir auf, dass OWL zuweilen witzig, mystisch aber auch kriminell sein kann.

Als drittes Projekt wartet mein Erlebnisbericht über einen Tag im Kosovo in diversen Verlagen darauf, endlich bei der Lektorenkonferenz besprochen zu werden. Die erste Hürde, das „Abwimmlungsverfahren“, habe ich bei drei Verlagen genommen. Bisherige Angebot kamen von Verlagen, die horrende Summen vom Autor als Druckkostenzuschuss deklariert verlangten. War und wird nie mein Ding sein oder werden. Der Titel wird vermutlich „Zwischenziel Prizren“ und als Untertitel „D-Day im Kosovo“ lauten.

Eire-Verlag: Wenn der BVB Meister wird und die Fans sagen: „Dat is so schön, dat kannste nich beschreiben“ – kann man natürlich doch. Welche Worte findest Du für dieses und andere angeblich unbeschreiblichen Gefühle?

Werner Pfeil: Zunächst möchte ich Gott danken, dass solch ein Gefühl überhaupt existiert und uns auf unserem Weg durchs Irdische gegeben wurde. Egal in welcher Form und wem oder was gegenüber. Auch wir Menschen sind auf eine Art unbegreiflich. Es gibt nichts, was uns beschreiben würde – keine Worte, weder Definitionen, noch Erklärungen, etwas ganz Besonderes, das sich nicht greifen lässt.

Genauso gibt es diese unbeschreiblichen Gefühle und ich denke, man tut gut daran, sie so zu belassen und versucht erst gar nicht, sie beschreiben zu wollen. Sie sind zu individuell und speziell, als dass ich mir als Autor das Recht herausnehmen würde, sie zu verallgemeinern. Die Liebe, der Tod, das Gefühl einem Menschen das Leben geschenkt, gerettet, sicherlich auch, einem das seine genommen zu haben – letzteres musste ich als Krimi-Autor einfach mal loswerden –, nicht zu vergessen der Gewinn der Champions League oder der Deutschen Meisterschaft. Es würde über einen Versuch nicht hinausgelangen. Also muss ich bei der Frage passen!

Eire- Verlag: Du hast diesen Monat Geburtstag. Welchen Lesestoff wünschst Du Dir? Oder doch lieber Schreibstoff?

Werner Pfeil: Zum Lesen wird nicht viel Zeit sein, denn über meinen Geburtstag verbringe ich einige Tage an der Nordsee … sie wissen, schon, der Kopf steckt voller Ideen, die heraus müssen. Einige Szenen bespreche ich mit meiner größten Kritikerin – meiner Freundin Monika. Ihre konstruktiven Vorschläge haben mich schon aus mancher Sackgasse zurück auf den richtigen Weg geführt. Oft macht sie das unbewusst – einfach so. Und das, neben vielen anderen Dingen, finde ich so toll an ihr.

Wenn doch ein paar Minuten übrigbleiben, widme ich sie gern dem neuen Buch von meinem Freund, dem Autor Klaus Peter Wolf.