Interview mit Eva Borgmann

Eva Borgmann veröffentlichte beim Eire-Verlag ihre Abschlussarbeit zur Trauerbewältigung. Privat hatte sie innerhalb eines Jahres drei Angehörige, darunter auch ihren Mann, verloren. Seit den 1990er-Jahren ist sie als Trauerbegleiterin tätig (http://www.borgmann-trauerbegleitung.de/). Ihr schriftstellerisches Repertoire reicht von humorvollen, alltagsnahen Kurzgeschichten bis zu gefühlsprallen Gedichten, die sie mit selbstaufgenommenen Bildern unterstützt.

Eire-Verlag: Schreibst Du Bücher oder schreibst Du Texte, die im Nachgang zum Buch werden? Wie entsteht bei Dir ein Buch?

Eva Borgmann: Hauptsächlich schreibe ich kurze Geschichten oder Gedichte. Bisher habe ich lediglich einen zusammenhängenden Text verfasst – das Trauerbuch. An andere lange Texte wagte ich mich bisher noch nicht heran.

„Mit der Trauer auf meinem Weg“ entstand, weil ich den Impuls dazu von einer Freundin bekam. Die Texte und Gedichte für meine beiden anderen Bücher hatte ich sozusagen schon in der Schublade. Dazu befragte ich dann Dr. Menne, ob diese würdig seien, veröffentlicht zu werden. Sie bestärkte mich und sprach mir Mut zu. So entstand das Kurzgeschichtenbuch „kurz geschichtet“ und der Gedichtband
einfallsleicht“.

Eire-Verlag: Du schreibst Bücher mit sehr unterschiedlicher Stimmung – mal konzentriert, mal traurig, mal fröhlich und unternehmungslustig. Wie unterscheidet sich Deine Stimmung beim Schreiben von der Stimmung beim Überarbeiten der Texte?

Eva Borgmann: Neulich verfasste ich eine Kurzgeschichte zum Geburtstag eines guten Freundes. Er hatte mich irgendwie auf die Idee gebracht, indem er eine kleine Episode aus seinem Alltagsleben als Landwirt erzählte. Ich habe mich dadurch sofort inspiriert gefühlt und spürte förmlich, wie die Geschichte entstand. Das war sehr spannend. Es ging u.a. um Schweinehaltung.

Ich schreibe in der Regel sofort am Laptop oder PC. Dadurch habe ich schon ein wenig Abstand zum Text und bin dann kritischer mit mir. Bei der Überarbeitung lese ich den Text laut, damit ich die Atmosphäre des Textes besser aufnehmen kann. Und dabei spüre ich direkt Unstimmigkeiten, es fallen mir Ergänzungen ein etc. Manchmal frage ich meinen Sohn nach seinem Feedback und eventuellen Unstimmigkeiten im Text. Er ist recht kritisch und pragmatisch, das hilft ungemein! Beim Überarbeiten wird der Text dann langsam rund.

Eire-Verlag: Wir wissen, dass es an Büchern nicht viel zu verdienen gibt, und an Kleinstauflagen bei unabhängigen Verlagen noch weniger als ohnehin. Welche Beziehung hast Du als Autorin zum Buch als Wirtschaftsgut?

Eva Borgmann: In der Hauptsache möchte ich in meinem kleinen Rahmen meine „Werke“ unter die Leute bringen. Das macht mir viel Freude und bringt auch immer wieder Gesprächsstoff. Meine Mini-Fangemeinde sorgt auch hier und da für die Verbreitung, das freut mich sehr und zeigt mir, dass einiges anscheinend gut ankommt! Reich werden ist nicht das Ziel – doch die Idee, mal etwas Großes zu erschaffen, spukt schon irgendwo im Kopf herum.

Ich lese selbst recht viel und auch sehr gerne. Dabei ist fachliche Weiterbildung für mich auch sehr wichtig. Meine berufliche Tätigkeit bringt das mit sich. Generell kann ich sagen, dass Bücher mein Leben bereichern.

Eire-Verlag: Was machst Du eigentlich mit Deinen Büchern, wenn sie fertig sind?

Eva Borgmann: Da ich noch nicht so viele publiziert habe, ist es noch ziemlich einfach. Daheim habe ich noch einen Fundus, den ich natürlich gerne verkaufen würde. Verschenkt habe ich auch schon eine große Anzahl das sind dann sehr persönliche Geschenke mit Widmung. Lesungen konnte ich hier und da auch anbieten, doch hier in meinem Umfeld ist es für mich sehr schwer zu organisieren. Wahrscheinlich biete ich in Kooperation mit dem befreundeten Landwirt bald wieder eine Dielenlesung auf seinem Hof an.

Eire-Verlag: Inwieweit haben Deine Orte – Ense, Werl, Soest – Einfluss auf Deine Autorschaft? Was wäre in Großstädten anders, vielleicht auch hinsichtlich des Erfolgs der Bücher?

Eva Borgmann: Seit den 1990er Jahren lebe ich sehr dörflich. Hier hat die Natur einen großen Einfluss auf meine Schreiberei. Meine Kinder- und Jugendzeit habe ich im Ruhrpott verlebt. Da schrieb ich eher Tagebuch und war bei einer kleinen regionalen Frauenzeitung Mitautorin in den 1980-erJahren. Hier und da auch mal ein Gedicht verfasst, hier und da mal ein Lied umgeschrieben. An Veröffentlichung habe ich da nie gedacht. Das kam erst mit meiner Teilnahme an verschiedenen Schreibwerkstätten und Autorengemeinschaften hier im Kreis Soest. Da trug ich zu Anthologien bei.

Eire-Verlag: Welche Pläne und Wünsche hast Du für kommende Projekte? Was liegt noch in der Schublade und will demnächst ans Licht?

Eva Borgmann: Wahrscheinlich beschäftige ich mich weiterhin mit kurzen Geschichten. Gerne würde ich mich einer Schreibgemeinschaft anschließen, weil ich Feedback sehr wichtig finde. In der Schublade – nichts Konkretes. Lassen wir uns überraschen…